Pflegeanbieter Kenbi stellt sich neu auf: Dr. Gregor Bräuer ist vorläufiger Insolvenzverwalter
Der Pflegeanbieter Kenbi GmbH mit Sitz in Düsseldorf hat einen Eigenantrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen will das gerichtliche Verfahren nutzen, um seine begonnene Restrukturierung abzuschließen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Dr. Gregor Bräuer vom Düsseldorfer Streitbörger-Standort bestellt. Der Geschäftsbetrieb wird ohne Einschränkungen fortgeführt, Ziel ist die Sanierung der Unternehmensgruppe.
„Der Geschäftsbetrieb von Kenbi geht an allen 50 Standorten und Pflege-Stützpunkten in vollem Umfang weiter“, betonte der vorläufige Insolvenzverwalter. „Alle von Kenbi betreuten Personen werden wie sonst auch zuverlässig versorgt, deren Versorgungsverträge bleiben gültig und werden weiter erfüllt.“ Bräuer hat umgehend nach seiner Bestellung die rund 850 Beschäftigten informiert. Parallel dazu werden derzeit alle Kunden und Vertragspartner von Kenbi angeschrieben. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind über die Bundesagentur für Arbeit gesichert und werden weiterbezahlt.
In den nächsten Tagen macht sich der vorläufige Insolvenzverwalter in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung und den Gläubigern ein genaues Bild der wirtschaftlichen Lage und prüft die Sanierungsoptionen. Denkbar ist etwa der Einstieg von Investoren oder auch eine Art Vergleich mit den Gläubigern. Welcher Weg erfolgversprechend ist, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten herauskristallisieren. „Die Geschäftsführung hat bereits Restrukturierungsmaßnahmen auf den Weg gebracht mit dem Ziel, sich auf das Kerngeschäft Pflege zu konzentrieren“, so der vorläufige Insolvenzverwalter. „Daran können wir anknüpfen und dabei die sehr wirksamen Instrumente des Insolvenzverfahrens nutzen.“ So ist das Unternehmen für drei Monate von den Personalkosten entlastet, die von der Bundesagentur für Arbeit getragen werden. Zugleich herrschen in der Insolvenz günstigere Bedingungen für die Neuverhandlung unvorteilhafter Verträge oder die Suche nach Investoren als außerhalb eines Verfahrens.
Kenbi wurde 2019 gegründet und gilt als Digitalisierungsvorreiter in der Pflegebranche. Das Unternehmen betreut rund 2.500 Pflegebedürftige an rund 50 Standorten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg. Dabei setzt Kenbi auf ein innovatives Konzept mit dezentralen, selbstorganisierten Pflegeteams, die eigenständig arbeiten und dabei durch digitale Tools und Lösungen unterstützt werden. Die dadurch gesparte Zeit, etwa bei Tourenplanung, Kommunikation und Dokumentation, kann für die Arbeit mit den Pflegebedürftigen genutzt werden.
Wie viele Pflegeunternehmen steht auch Kenbi infolge der angespannten Situation in der Pflegebranche unter Druck. So sind in den letzten Jahren sowohl die Personal- als auch die Sach- und Energiekosten in der Pflege massiv gestiegen. Diese Kostensteigerungen sind jedoch von den aktuellen Pflegesätzen nicht vollständig abgedeckt und belasten die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Zuvor hatten bereits die Auswirkungen der Corona-Pandemie die wirtschaftlichen Reserven aufgezehrt. Kenbi hat bereits reagiert und 2024 eine Restrukturierung eingeleitet.
Seitdem konzentriert sich das Unternehmen auf das Kerngeschäft Pflege. Die kapitalintensive Entwicklung eigener digitaler Tools wurde im Januar 2025 eingestellt. Parallel dazu hat das Unternehmen gemeinsam mit einem Team aus branchen- und restrukturierungserfahrenen Experten begonnen, die Strukturen und Abläufe in der operativen Pflege gezielt zu verbessern und effektiver und wirtschaftlicher zu gestalten. Dazu gehört die bessere Verzahnung der Leistungen innerhalb der stark nachgefragten Quartierskonzepte an den Standorten in Brandenburg. An den Standorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, wo Kenbi ambulante Pflegeleistungen anbietet, will Kenbi sein Leistungsspektrum gezielt optimieren, um werthaltigere Dienstleistungen abrechnen zu können.
„Kenbi ist ein sehr innovatives Unternehmen mit tragfähigen Pflegekonzepten und einem hohen Marktanteil“, so der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Bräuer. „Das sind grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine Sanierung.“ Bei der Vorbereitung des Insolvenzantrags wurde Kenbi vom erfahrenen Sanierungsexperten und Rechtsanwalt Christian Stunz von der Kanzlei Justask unterstützt.
Foto: Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Gregor Bräuer